Wanderung zur Latemarhütte: Durchs Felsenmeer des einsamen Dolomitenriesen

Es ist wieder einer dieser besonders heißen Sommertage Ende Juli. Ganz nebenbei mein Geburtstag und ich habe mir natürlich eine Geburtstagswanderung gewünscht. Wie soll es auch anders sein. Meine Wahl fiel auf die Wanderung zur Latemarhütte, die mitten durch das Herz des gleichnamigen Gebirgsstocks führt. Am Ende des Tages sitze ich kaputt, aber dafür glücklich und zufrieden vor einer riesengroßen und wohlverdienten Pizza. Es muss also die richtige Entscheidung gewesen sein. Aber lest selbst.

Wanderung zur Latemarhuette: Katharina bei der Latemarhuette

Wanderung zur Latemarhütte: Traumhafter Gebirgsstock im Schatten des großen Rosengartens

Der Latemar – ein traumhafter Gebirgsstock südwestlich des weltbekannten Rosenrosengartens. Der Diamantiditurm ist mit seinen 2.842m die höchste Erhebung im Latemar und durch einen Klettersteig erschlossen. Während die große und weltberühmte Schwester im Norden, der Rosengarten, bestens erschlossen ist und sich über eine immense Beliebtheit freuen kann, geht es im und um den Latemar deutlich ruhiger zu. Der Dolomitenkoloss ist touristisch eher wenig erschlossen.

Wanderung zur Latemarhuette - Suedflanke des Latemar
Blick auf die Südflanke des Latmarmassivs – mit Latemarhütte

Im Sommer finden Wanderer hier mit der Latemarhütte nur eine bewirtschaftete Schutzhütte, während es im Rosengarten mehr als eine Handvoll gibt, z.B. die Vajolet- und Gartlhütte. Zwar spielt die Skisaison für die Gebiete Carezza und Obereggen, die unmittelbar am Latemar liegen, eine wichtige Rolle, doch in den Sommermonaten geht es hier verglichen mit anderen Dolomitenregionen deutlich ruhiger und einsamer zu. Doch nicht minder schön, wie ich finde. Denn wer von euch kennt nicht das weltbekannte Motiv des Karersees. Und genau in ihm spiegelt sich der Latemar wider. Die meisten von uns müssten ihn somit schon einmal gesehen haben und dürften von seiner Schönheit und Einzigartigkeit überzeugt sein. Doch wirklich dort waren vermutlich die wenigsten, mich eingeschlossen. Zumindest gilt das für die Sommermonate. Das soll sich nun also ausgerechnet an meinem Geburtstag ändern. Ich freue mich riesig, denn was gibt es schöneres als sich auf die Erkundung eines einsamen Dolomitenmassivs zu machen. Für mich definitiv nicht viel.

Wanderung zur Latemarhütte: Ausgangspunkt Latemarium 360 Grad

Wir fahren nach Obereggen und lassen unser Auto auf dem riesigen und glücklicherweise kostenlosen Parkplatz zurück. An der Talstation des Sessellifts Oberholz  (1.550m) orientieren wir uns zunächst über die bevorstehende Tour.  Kurz danach sitzen wir auch schon frohen Mutes und bei bestem Sommerwetter im Lift. Los geht’s also!

Wanderung zur Latemarhuette - Sessellift Oberholz

Oben auf den 2.150 Metern der Bergstation angekommen wählen wir den Weg …. Und nach nicht einmal fünf Minuten bergauf erreichen wir das Latemarium 360 Grad. Die Aussichtsplattform bietet einen faszinierenden Rundblick und dank der angebrachten Panoramakarte können wir spielend leicht herausfinden, was wir da so alles vor der Nase haben.

Von hier aus startet auch der Erlebnisweg Latemar.Panorama (Nr. 22), der sich zumeist unterhalb der Latemarfelsen entlangschlänget und dabei zu einzigartigen Aussichtspunkten des Latemars führt. Hier lernt der Wanderer nicht nur Wissenswertes und lehrreiche Geschichten über die Region, sondern kann auch auf besonders errichteten Ruheinseln entspannen, genießen und die Aussicht in sich aufsaugen. Die perfekte Kombination aus Wandern und Entspannung also und dank der nur moderaten Steigungen für Familien mit kleineren Kindern bestens geeignet. Klingt vielversprechend, wie ich finde. Doch wir haben uns für diesen Tag ja die deutlich schweißtreibendere Tour ausgesucht und daher biegen wir nach dem Latemarium ab auf Weg Nr. 18 hinauf in Richtung Gamsstallscharte.      Wanderung zur Latemarhuette - Weggabelung Gamsstallscharte

Wanderung zur Latemarhütte: Durch die Gamsstallscharte in eine faszinierende Gebirgswelt

So schön die frühe Rast am Latemarium auch war, ab jetzt wird es deutlich steiler. Bis zum ersten Etappenziel unserer Wanderung – der Gamsstallscharte – liegen nun einige Höhenmeter vor uns. Während der Weg Nr. 18 sich anfangs noch angenehm durch saftige grüne Almwiesen nach oben schlängelt, wird es nach der ersten halben Stunde schon deutlich felsiger und gerölliger.

Wanderung zur Latemarhuette - Almwiesen auf dem Weg zur Gamsstallscharte

Wanderung zur Latemarhuette - Seilsicherungen

Ein paar Mal treffen wir auf Seilsicherungen, die für Kinder und Ungeübtere eine prima Unterstützung bieten. Wirklich gefährlich wird es aber nie. Gefahr lauert eher durch die permanente Ablenkung angesichts dieses herrlichen Bergpanoramas. Denn mit jeder Serpentine, die wir uns auf dem Weg nach oben schlängeln, wird es steiler, felsiger und wir tauchen ein in die faszinierende Felsenwelt des Latemars.

Wanderung zur Latemarhuette - im Felsenmeer

Ich genieße jeden einzelnen Meter und freue mich über diese einmalig tolle Geburtstagswanderung. Auch das Wetter ist auf unserer Seite! Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir den höchsten Punkt vor der eigentlichen Gamsstallscharte (2.640m) und gelangen ab hier in ein Labyrinth aus Steinen und Felsen. Klingt nicht nur toll, sondern ist es auch.

Über felsiges Terrain geht es von nun an wechselweise bergauf und bergab durch das „Innenleben des Latemar“. Egal, wohin wir schauen mit jedem weiteren Meter, den wir vorankommen, haben wir wieder eine neue spektakuläre Felsformation vor unseren Augen. Mitte Juli entdecken wir in dem labyrinthartigen Hochkar sogar das ein oder andere Altschneefeld, durch das wir zum Glück nicht queren müssen. Auf den letzten Metern der Gamsstallscharte müssen wir dann schließlich über ziemlich enge und steile Felstreppen nach oben.

Dafür werden wir anschließend aber auch umso mehr entschädigt. Denn oben angekommen werden wir erneut mit einem atemberaubenden Weitblick belohnt. Wir schauen direkt in das Felsenmeer des Valsordakessels und werden diesen Ausblick so schnell ganz sicher nicht vergessen. Hier verläuft übrigens auch die Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino.

Wanderung zur Latemarhuette - Ausblick Valsordakessel
Traumhaftes Panorama im Valsordakessel

Wanderung zur Latemarhütte: Vom Valsordakessel bis zum Torre di Pisa

Von hier aus geht es auf dem Weg 516 weiter und bis zu unserem heiß ersehnten Ziel, der Schutzhütte Torre di Pisa (Latemarhütte) sind es noch ca. 40 Minuten. Auf dem ersten Stück geht‘s ziemlich bergab und ich muss mich auf diesem gerölligen Untergrund schon sehr konzentrieren, um nicht auf dem Hosenboden zu landen. Danach queren wir durch den Kessel, um die letzten Höhenmeter wieder durch ziemlich steiles und felsiges Gelände aufzusteigen. In diesem letzten Teilabschnitt vor Erreichen der Hütte gibt es leider keine Sicherungen und zumindest Kinder sollte man bei dieser Kraxelei nicht aus den Augen lassen.

Wanderung zur Latemarhuette - am Torre di Pisa
Am Torre di Pisa

Kurz vor der Hütte erreichen wir dann noch ein weiteres Highlight der Tour, auf das ich mich schon sehr gefreut haben, den Torre di Pisa. Genau, ihr habt richtig gelesen. Hier war wirklich das weltberühmte toskanische Pendant Namensgeber und der Felsturm, vor dem wir nun geradestehen, erinnert auch wirklich stark an den schiefen Turm von Pisa. Ab hier sind die letzten Meter bis zur Hütte wirklich spektakulär. Denn nach Süden hin kann man schon in Richtung Feudopass schauen und hinter uns liegen die Felsentürme rund um den Torre di Pisa. Eine wirklich tolle Kulisse.

Wanderung zur Latemarhuette - Felsentuerme am Torre di Pisa
Der Blick zurück auf die Felsentürme um den Torre di Pisa

Da wir unsere Wanderung erst gegen Mittag gestartet haben und uns auf unserer bisherigen Route des Öfteren haben ablenken lassen, ist es bei unserer Hütteneinkehr auf der Latemarhütte (2.670 m) auch schon entsprechend spät. 15.30h, recht spät also für ein Mittagessen …. für den Geburtstagskuchen aber genau richtig. So oder so ähnlich lautet natürlich mein erster Gedanke. Und so „beschränken“ wir uns auch auf einen leckeren Apfelstrudel. Der ist köstlich, frisch und wie sollte es anders sein selbstgemacht. Das große Geburtstagsessen holen wir dann am Abend nach.

Wanderung zur Latemarhuette - Latemarhuette

Wanderung zur Latemarhuette - Latemarhuette Eingang
Endlich angekommen: Die Latemarhütte / Rif. Torre di Pisa

Wanderung zur Latemarhütte: Der Weg zurück

Nach dieser äußerst gemütlichen Pause auf zweieinhalb Tausendmetern Höhe geht es kurze Zeit später auf dem Weg 516 in Richtung Feudopass wieder bergab. Auch hier ist das Panorama einmalig und wir kommen aus dem Staunen kaum raus.

Wanderung zur Latemarhuette - Wegweiser an der Latemarhuette

Der Weg ist allerdings auch recht steinig und steil und gerade Personen, die nicht besonders trittsicher sind sollten an diese Passage etwas vorsichtiger herangehen. Das bekommen wir auch unmittelbar selber mit, denn Mitwanderer, die wir auf der Hütte kennengelernt haben kommen hier ganz schön ins Straucheln. Als wir den steilen Abstieg gemeistert haben erreichen wir wieder den Weg 22. Das Ende unserer Tour ist allerdings noch nicht in Sicht, denn für uns geht es nun noch die letzten ca. 3 Kilometer direkt unterhalb des Latemar entlang. Diese Strecke ist aber definitiv angenehm zu meistern, denn sie hat nur sanfte Auf- oder Abstiege. Hier und da werden wir auch durch die Stationen des Erlebnispfads abgelenkt, denn diese Strecke ist ein Teil des Erlebnispads, über den ich am Anfang bereits berichtet habe. Wir vergessen also ein wenig die Zeit und lassen uns treiben. Am meisten beeindruckt mich das Bergkino. Wie einfach und genial man doch einen derartigen Effekt schaffen kann. Ich bin begeistert.

Wanderung zur Latemarhuette - Bergkino im Latemarium
So einfach und gleichzeitig genial: Das Bergkino im Latemarium

Sich treiben lassen ist toll. Die Zeit vergessen auch. Allerdings stellen wir irgendwann fest, dass wir uns auf den letzten Metern doch etwas sputen müssen. Die letzte Liftfahrt ruft. Nach den letzten 5 Stunden mit über 700 Höhenmetern wären wir jetzt doch froh, wenn wir nicht bis ins Tag laufen müssen. Wir haben Glück und sitzen nur ein paar Minuten später im Lift. Glücklich und zufrieden nach diesem Traumtag. Die Pizza am Abend haben wir uns absolut verdient. 

Wanderung zur Latemarhütte: Und zu guter Letzt die Fakten

Ausgangspunkt: Selssellift Oberholz

Parkmöglichkeit: sehr gut (unterhalb der Talstation)

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Schuhwerk: Wander-/Bergschuhe, trittsicher sollten sie auf jeden Fall sein

Alpines Gelände: Ja

Dauer: ca. 5 Stunden

Länge: ca. 8,5 km mit 740 Höhenmetern

 

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Author: Katharina

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