Rotwand-Überschreitung im Rosengarten: Traumhafte Gratwanderung in König Laurins Reich

von Katharina

Der riesengroße Rosengarten bietet ja bekanntlich so ziemlich alles, was das Wander-, Berg- und Kletterherz höherschlagen lässt. Wild-romantische Bergtäler, atemberaubende Aussichten auf die umliegenden Dolomitengiganten und urige Hütten inbegriffen. Die Durchquerung des ganzen Rosengartens nimmt dabei schon einmal das Pensum einer ordentlichen Mehrtagestour an. Es gibt aber auch viele Wanderungen und Touren, die sich hervorragend für eine eintägige Bergtour eignen. Die Vajolet-Türme zum Beispiel, die ich erst kürzlich erwandert habe, zählen hierbei sicherlich genauso wie die Rotwand-Überschreitung, die wir im August gemacht haben, dazu. 

Rotwand-Ueberschreitung: unterhalb der Rotwand

Magisch: die Süd-West-Wand der Rotwand im schattigen Morgenglicht

Rotwand-Überschreitung: Das Highlight im südlichen Rosengarten

Das Highlight und Herzstück im südlichen Rosengarten ist sicherlich die Rotwand, deren Überschreitung durch einen Klettersteig erschlossen ist. Markant und senkrecht abfallend zur westlichen Seite bietet sie spektakuläre Ausblicke in Richtung Latemar und Karersee. Und in die andere Richtung kann man bei guter Sicht direkt ins Herzstück des Rosengartens blicken. Unser Plan ist also gesteckt und endlich soll es an einem mal wieder sehr heißen Tag im August soweit sein. Da sich für den Nachmittag Gewitter und Unwetter ankündigen und diese sich bekanntlich recht schlecht mit einem Klettersteig vereinbaren lassen, starten wir unsere Tour recht früh am Morgen an der Kölner Hütte.

Rotwand Überschreitung: morgens an der Koelner Huette

Rotwand-Ueberschreitung: Koelner Huette aus der Ferne

Start an der Kölner Hütte … noch ist’s recht schattig.

Rotwand-Überschreitung: Start an der Kölner-Hütte

Sie ist auch Ausgangspunkt für viele andere Wanderungen im Rosengarten und ihr könnt sie bequem per Lift von der Frommeralm (gute Parkmöglichkeiten) aus erreichen. Wir schlagen zuerst den Weg Nr. 549 ein, der zunächst einmal relativ eben und unmittelbar am Fuße des Rosengartens verläuft. Imposant ist aber jeder einzelne Meter, denn die Ausblicke sind auch im schattigen Morgenlicht einfach nur toll. Allmählich schiebt sich weiter hinten am Horizont langsam die Sonne über Latemar und Karersee. Immer wieder auf Neue schön und atemberaubend, denke ich mir.

Nach ca. 30 min Fußmarsch erreichen wir den Abzweig in Richtung Vajolon-Pass (Weg Nr. 551/9). Ab hier ist’s mit dem gemütlichen Gehen erst einmal vorbei. Denn es geht in kurzen Serpentinen ordentlich berghoch. Das Gelände wird hier zunehmend unwegsamer, ist aber durch einige Treppen und Seilsicherungen bestens gesichert. Angenehm frisch ist es hier auf jeden Fall und in der großen Geröllscharte entdecken wir hier und da sogar noch Altschneefelder. Nicht unüblich für diese Jahreszeit und Höhe.

Rotwand-Überschreitung: Verschnaufen am Vajolon-Pass

Oben am Vajolon-Pass (2.590m) angekommen, erwartet uns neben einem ersten tollen Ausblick ins Herz des Rosengartens der Zustieg zum Klettersteig. Nach einer kurzen Rast legen wir unsere Sicherungen an und dann geht’s los.

Rotwand-Ueberschreitung: Einstieg Klettersteig Rotwand

Immer am Grat entlang: der Beginn des Rotwand-Klettersteigs

Rotwand-Ueberschreitung: Katharina im Klettersteig Rotwand

Bis zum Gipfel sind es von hier noch ca. 250 Höhenmeter, die bis auf ein paar Ausnahmen auch durchgehend gesichert sind. Ich genieße jeden einzelnen Meter, denn auf dieser Seite (Nordseite) geht es immer entlang des Grates ohne besonders schwierige Passagen. Es macht einfach total Spaß hier zu klettern und zu kraxeln. Trittsicher und schwindelfrei solltet ihr natürlich auch hier sein, denn die Sicherungen sind zwar gut aber nicht durchgehend. Und auch wenn die Ausblicke auf diesem Teilstück immer wieder spektakulär sind und zum Genießen anmuten, links und rechts geht’s teilweise ganz schön in die Tiefe.

Rotwand-Überschreitung: Wir, die Dohlen und das atemberaubende Gipfel-Panorama

Oben angekommen treffen wir nicht nur auf ein imposantes Gipfelkreuz sondern auch auf zahlreiche Dohlen, die uns hier schon kreisend und kreischend empfangen. Als hätten sie hier auf uns gewartet. während wir beim Start unserer Tour heute früh am Morgen noch den schönsten blauen Himmel genießen konnten, sind in der Zwischenzeit ganz schön viele Wolken und Nebelschwaden dazugekommen. Nun ja, die Vorboten des Nachmittagsgewitters ganz offensichtlich. So schön ein blauer Himmel am Gipfel auch ist, ich mag ja auch die wolkigen und nebligen Stimmungen total gerne.

Rotwand-Ueberschreitung: Katharina auf dem Rotwandgipfel sitzend

Rotwand-Ueberschreitung: Gipfelkreuz Rotwand

Rotwand-Ueberschreitung: Blick auf den Rosengarten vom Rotwandgipfel

Die Aussicht auf dem Gipfel, mehr Panorama geht kaum…

Und genau ein solches Szenario wartet hier auf uns. Weiße, wattige Wolken hängen unter uns im riesigen Rosengartenmassiv fest. Mal schnell, mal langsam ziehen sie weiter und geben den Blick frei auf die schroffen Dolomitenfelsen unter uns. So schön und so beeindruckend ist dieses Wechselspiel aus Wolken, Nebel und sonnigen Abschnitten, dass ich gar nicht genug davon kriegen kann.

Rotwand-Überschreitung: So langsam wird es voll

Nach einer kurzen Rast und unzähligen, geschossenen Fotos merken wir, dass immer mehr Kletterer von unten nachkommen. Offensichtlich hatten wir mit unserem frühen Start am Morgen noch Glück. Denn an guten Tagen und Wochenenden kann es im Steig auch ganz schön voll werden. Das gilt wohl auch für diesen Tag – trotz der schlechten Nachmittagsprognose. Wir sehen also zu, dass wir weiterkommen und packen unsere Sachen. Schließlich haben wir uns für diesen Tag die komplette Überschreitung der Rotwand vorgenommen und daher wissen wir, dass noch eine etwas knifflige Stelle auf uns wartet. Hier würde ich auch jedem von euch, der sich zu den eher schwächeren Gehern zählt, empfehlen, über den gleichen Weg (Nordgrat) wieder abzusteigen.

Rotwand-Überschreitung: Der Abstieg in Richtung Masarèkamm

Für uns geht es zunächst aber über einen wunderschönen Wiesenkamm abwärts. Nach einigen Minuten setzen die Seilsicherungen wieder ein und mit jedem Meter klettern wir immer steiler ab in die Scharte zwischen Rotwand und Maserékamm. Hier staut es sich auch häufiger, da es einige steilere Stufen und Treppen gibt, die abgeklettert werden müssen. So auch heute und an der ein oder anderen Stelle müssen wir dann doch länger als geplant warten.

Durch die Scharte könnt ihr zwar auch direkt in ca. einer halben Stunde zur Rotwandhütte absteigen. Allerdings stellt dieser Weg nur den Notausstieg dar und sieht alles andere als einladend aus, wie wir finden. Er ist extrem geröllig und gerade bei unsicherer Witterung (Rutschgefahr) nicht zu empfehlen. 

Rotwand-Überschreitung: Die senkrechte Wandstelle und ich

Daher ist unser Plan, die Schlucht zu durchsteigen und über die steile Mauer auf der gegenüberliegenden Seite wieder in Richtung Masarèkamm aufzusteigen. Unten in der Schlucht angekommen, befinden wir uns wieder mitten im Flaschenhals und müssen ziemlich lange warten. Denn die vor uns liegende Wand sieht ziemlich spektakulär aus und folglich geht’s aufgrund der hohen Frequentierung des Klettersteigs auch nur sehr langsam weiter. Mit einer unfreiwilligen Wartezeit müsst ihr an den schöneren Sommertagen also immer rechnen. Ein bisschen nervös bin ich schon, denke ich mir noch so im Stillen. Schließlich ist es meine erste komplett senkrechte Wand, die ich nun bezwingen kann oder …. besser gesagt muss? 

Und in der Tat sieht sie sehr glatt und trittarm aus. Ok, an den wichtigen Stellen ist sie durch massive Eisentritte entschärft. Das macht es sicher einfacher, wie ich vermute. Als ich dann an der Reihe bin, merke ich, dass ich mich etwas mehr konzentrieren muss als zuvor. Nach ein wenig Nervenkitzel, der sich bei mir breitmacht, läuft es aber ganz gut und ich komme in der C-Wand ganz gut voran. Im letzten Stück wird es auch wieder deutlich einfacher.

Rotwand-Überschreitung: Vom Fensterlturm bis zur Rotwandhütte

Am Ausstieg der Wand angekommen, können wir direkt vor uns den sogenannten Fensterlturm entdecken. Ja, ihr habt richtig gehört … Fensterl. Denn hier haben sich in der Tat richtige Fenster in den Fels gebohrt. Links von ihm geht es jetzt ganz leicht und entspannt über den Wiesenrücken abwärts, bis wir nach ca. 10 Minuten zu einer Weggabelung kommen. In rechter Richtung beginnt nun der anspruchsvollere Masarè-Klettersteig, der allerdings für heute ganz sicher nicht mehr auf unserem Programm steht. Die drohenden Gewitterwolken lassen nichts Gutes erahnen. Wir biegen also links ab und können von hier an schon unser nächstes Etappenziel, die Rotwandhütte, sehen.

Rotwand-Ueberschreitung: Blick auf die Rotwandhuette

… und fast geschafft. Wer kann die Hütte erkennen?

Dazu müssen wir noch ein paar kurze B/C Passagen im Klettersteig absteigen. Und nach weiteren 10 Minuten durch die Wiesen- und Felsabschnitte oberhalb der Rotwandhütte erreichen wir sie endlich. Die Pause haben wir uns jetzt aber auch verdient.

Rotwand-Überschreitung: Nass bis auf die Knochen, aber glücklich

Als wir satt und zufrieden wieder aufbrechen, warten schon die riesigen Gewitterwolken hinter uns. Und nein, auch wenn wir nun „nur noch“ um die Südspitze des Rosengartens bis zur Kölner Hütte laufen müssen, wir schaffen es nicht ganz.

Rotwand-Ueberschreitung: Rotwandhuette

Die wunderschöne Rotwandhütte vor brodelnder Kulisse

Zwar laufen wir im Schnellschritt vorbei an Christomannos Denkmal und erreichen so nur ein paar Minuten später wieder unsern Ausgangsweg Nr. 549. Wir werden trotzdem nass bis auf die Knochen. Das macht uns aber rein gar nichts, denn das Grinsen in unseren Gesichtern nach diesem tollen Tag im Klettersteig überstrahlt alles.  Lust bekommen? Hier findet ihr die ausführliche Topo.

Und noch einen Tipp habe ich für euch: Unser Start- und Zielpunkt war die Kölnerhütte. Ihr könnt aber auch vom Karerpass starten, über die Rifugio Paolina und den Weg Nr. 539 zum Vajolonpass auf- bzw. am Ende wieder absteigen.   

 

Mehr Südtirol-Atmosphäre könnt ihr übrigens hier schnuppern!

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