Klettersteige in den Dolomiten: Dreimal Spaß und Abenteuer pur für Anfänger und Fortgeschrittene

Seit einigen Jahren erleben Klettersteige ja eine regelrechte Renaissance. Doch warum ist das so und was macht Klettersteige eigentlich so besonders? Das Hauptargument ist sicherlich, dass Klettersteige es uns ermöglichen, die Bergwelt – vor allem die hochalpine – auf eine völlig neue Weise zu erleben. Ich finde, es macht aber auch einfach immer einen riesen Spaß, sich gut gesichert in felsiges, ja manchmal sogar vertikales Gelände zu begeben. In meinem letzten Urlaub habe ich drei leichte bis mittelschwere Klettersteige in den Dolomiten getestet. Hier nehme ich euch nochmal mit auf die Gipfel von Cir-Spitze, Rotwand und Col Rodella.

Klettersteige in den Dolomiten: Blick auf die Seiser Alm vom Gipfel der Cir Spitze
Auch Nicht-Kletterer kommen im Klettersteig in den Genuss eines atemberaubenden Gipfel-Erlebnisses.

Klettersteige in den Dolomiten: Alles, was das Bergsteigerherz begehrt!

Klettersteige gehen zählt ja schon seit ein paar Jahren zu den Trendsportarten. Nun kann man über die Sinnhaftigkeit sogenannter Trends sicherlich zweigeteilter Meinung sein. Unbestritten ist aber sicherlich, dass das Klettersteig gehen einen enormen Erlebnis- und Spaßfaktor mit sich bringt. Denn auf diese Weise erschließen sich auch den Nicht-Kletterern einzigartige Berg- und Gipfelerlebnisse. Natürlich sollte jeder, der mit dem Gedanken spielt das Ganze mal auszuprobieren, einige elementare Sicherheitsvoraussetzungen beachten. Am besten und komfortabelsten meistert ihr euer Klettersteigdebüt natürlich immer noch zusammen mit einem Guide.  

Klettersteige im UNESCO-Weltkulturerbe

Klettersteige gibt es inzwischen besonders viele – auch und vor allem in den Dolomiten. Denn sie sind nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, sondern gleichzeitig ein wahres Paradies für Liebhaber des Bergsports. Kein Wunder, denn die zerklüfteten Felslandschaften der Dolomiten eignen sich einfach perfekt für Klettererlebnisse jeglicher Art. Und aufgrund der Vielfältigkeit der Dolomiten gibt es Klettersteige für alle Schwierigkeitsgrade und -ansprüche. Nicht wenige der ca. 200 Klettersteige verlaufen auch auf ehemaligen Weltkriegswegen, -stellungen oder Tunnel. Andere sind moderner und gehen eher in die Richtung von Sportklettersteigen.  

Klettersteige in den Dolomiten: Katharina am Gipfel Col Rodella 2
Klettersteige in den Dolomiten: für jeden Anspruch gibt’s den richtigen Steig.

Abenteuer Klettersteig!

Da ich es liebe, mich im felsigen Terrain zu bewegen und zu kraxeln, liebe ich auch Klettersteige. Außerdem bin ich immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und verlasse gern mal meine eigene Komfortzone. Ich bin aber ganz sicher kein Klettersteig-Profi und kann meine Grenzen hier ganz gut einschätzen. Daher fiel meine Wahl für unseren letzten Urlaub auf drei eher leichte bis mittelschwere Klettersteige in den Dolomiten, die es zu testen galt. Alle drei sind gut erreichbar und bedürfen eines nicht allzu langen Zustiegs. Das war mir wichtig. Hier kommen somit auch gut trainierte Anfänger voll auf ihre Kosten. Und wenn ihr zu denjenigen zählt, die noch nie in einem Klettersteig waren, aber dieses Abenteuer liebend gern mal ausprobieren möchten, dann schaut mal bei der lieben Katharina vorbei. Sie gibt auf ihrem Blog Bergseensucht ganz prima Tipps für Anfänger. Nun nehme ich euch aber erstmal mit auf die Reise meiner drei Klettersteig-Favoriten in den Dolomiten. 

Klettersteige in den Dolomiten: Die große Cir-Spitze

Geographisch gehören die große und die kleine Cir Spitze zur Puezgruppe und thronen unmittelbar über dem Grödnerjoch. Beide Gipfel sind durch einen Klettersteig erschlossen. Doch während die Erklimmung der großen Cir Spitze (2.592 m) für Anfänger bestens geeignet ist (Schwierigkeit A), ist der Steig hinauf zur kleinen Cir Spitze (2.520 m) eher etwas für Geübtere.

Klettersteige in den Dolomiten: Cir Spitzen
Die Cir Spitzen – die Große ist nicht zu verfehlen!

Aber das soll für diesen Tag auch gar nicht unser Ziel sein. Denn wir möchten uns sowieso erstmal „nur“ an die Große heranwagen. Unser Plan für diesen sonnigen Augusttag war also gesteckt. Und so starteten wir frühmorgens am Grödnerjoch. Die Parkmöglichkeiten an der Frara-Hütte oder am Hotel Cir sind recht gut und wer nicht allzu spät dran ist, sollte hier keine Probleme haben. Falls ihr ein wenig Zeit und Muße übrighabt, dann empfehle ich euch unbedingt, euch für die Fahrt hoch zum Grödnerjoch ein bisschen Zeit zu nehmen. Denn die ist einfach nur grandios. Vor allem bei schönem Wetter kann man hier die Aussicht auf das Sellamassiv und die Langkofelgruppe in vollen Zügen genießen. Was gibt es Schöneres zur Einstimmung auf eine bevorstehende Klettersteig-Tour.

Klettersteige in den Dolomiten: Wegbeschreibung Start
Über die satten Wiesen am Grödnerjoch

Zur Einstimmung gibt’s einmalige Ausblicke am Grödnerjoch

Wir starten also am Parkplatz der Frara Hütte. Der Weg bzw. Zustieg zum Klettersteig schlängelt sich die ersten hundert Meter erstmal angenehm über wunderschöne Wiesenhänge bis hoch zur Bergstation des Lifts Dantercepies. Ab hier biegen wir rechts auf einen Weg ab, der nun deutlich schmaler und gerölliger wird. Dafür geht’s direkt unterhalb der Cir Spitzen entlang, was unglaublich schön und beeindruckend ist.

Klettersteige in den Dolomiten: Weg zum Klettersteig
Direkt unterhalb der Cir Spitzen wird’s langsam gerölliger.

Nach ca. 250 Metern biegt der Weg nach links ab in eine riesige Geröllscharte. Da sie ziemlich markant ist, ist sie nur schwer zu verfehlen. Von hier an schlängelt sich der Pfad nun deutlich unwegsamer und steiler hinauf zum Einstieg in den Klettersteig. Durch die guten Markierungen ist die Scharte auch kein Problem.

Klettersteige in den Dolomiten: Blick auf das Sellamassiv
Der Aufstieg durch die Scharte – beim Blick zurück raubt’s mir den Atem …

Nachdem wir unser Klettersteigset und Helm angelegt haben, führen uns die ersten Meter über Steinplatten und durchweg gesichert nach rechts am Fels entlang (A). So kann’s weitergehen. Nach den ersten gesicherten Metern hinauf in Richtung Gipfel, wechseln sich auch immer mehr gesicherte und ungesicherte Passagen ab. Das Gelände ist aber nie schwierig oder unwegsam (maximal I. Schwierigkeitsgrad). Trittsicherheit und Schwindelfreit solltet ihr aber auf jeden Fall mitbringen, denn teilweise ist das Gelände doch recht ausgesetzt. Wenn ihr damit allerdings keine Probleme habt, werdet ihr hier sicherlich eure wahre Freude haben.

Auf dem Gipfel der großen Cir Spitze

Und so erreichen wir nach nicht einmal einer Stunde glücklich und zufrieden den Gipfel. Was mich hier erwartet, lässt mein kleines Bergsteigerherz sofort in die Höhe schnellen. Zur einen Seite die Aussicht auf das markante Sellamassiv und die Gipfel der Langkofelgruppe und zur anderen Seite kann ich direkt ins Langental und auf die wunderschönen Geissler-Spitzen blicken. Ein absoluter Traum! Denn glücklicherweise haben wir auch noch Traum-Wetter erwischt.

Natürlich legen wir auch noch eine ausgedehnte Gipfelrast ein. Die darf an einem solchen Tag natürlich nicht fehlen und empfehle ich euch übrigens auch. Denn das Panorama ist einfach überwältigend. Der Weg zurück führt uns über die gleiche Strecke wieder nach unten.

Klettersteige in den Dolomiten: Jimmy Huette
Und hier haben wir’s geschafft: kurze Rast auf der Jimmy Hütte

Und wer von euch noch ein wenig Hüttenflair schnuppern möchte, dem empfehle ich auf dem Rückweg einen kurzen Stopp an der Jimmyhütte (2.220m). Die liegt direkt am Fuße der Cir Spitzen und lädt zum Relaxen förmlich ein. Lust bekommen? Hier findet ihr die ausführliche Topo.

Klettersteige in den Dolomiten: Col Rodella

Der Gipfel des Col Rodella (2.484m) liegt am Sellajoch und fesselt durch seine typische runde Form mit atemberaubenden Panoramablicken in alle Himmelsrichtungen. Denn wo sonst lassen sich Langkofel, Plattkofel, Seiser Alm, Rosengarten-Gruppe, Sellastöcke und sogar Marmolada in einem bestaunen? Allerdings ist der Gipfel für sich genommen eher unspektakulär und im Gegensatz zu anderen Klettersteigen kommt ihr hier nicht in den Genuss eines klassisch-spektakulären Gipfel-Erlebnisses. Denn oben angekommen, hat uns anstelle eines massiven Gipfelkreuzes zu allererst der riesengroße Sendemast empfangen. Das hat allerdings den Spaß und die traumhafte Fernsicht überhaupt nicht geschmälert.  

Klettersteige in den Dolomiten: Col Rodella vom Sellajoch
Blick auf den Gipfel von Col Rodella … und seinen markanten Sendemast 🙂

Morgens früh am Sellajoch

Der Klettersteig verläuft am Südhang des Col Rodella und am besten erreicht ihr den Einstieg, wenn ihr am Sellajoch startet. Das machen wir auch und parken unser Auto früh morgens an der Hütte Carlo Valentini. Von hier aus gehen wir über die wunderschön offenen Wiesen am Sellajoch hinauf in Richtung Rifugio des Alpes. Egal, wohin wir schauen, Traumblicke auf die umliegenden Berge sind uns hier in alle Himmelsrichtungen gewiss. Der Aufstieg bis zum Rifugio des Alpes ist daher auch relativ schnell in 20 Minuten zu meistern. Dort angekommen müssen wir uns von nun an rechts halten.

Klettersteige in den Dolomiten: Schild Col Rodella
Auch hier: eine super Beschilderung macht’s uns leicht.
Klettersteige in den Dolomiten: Col Rodella Seilbahn
Das Panorama genießen wir hier schon vor Einstieg in den Klettersteig.

Auf einem schmalen Weg queren wir schließlich den Hang unterhalb der Seilbahn, die aus Campitello aus dem Fassatal kommt. Der Weg ist sehr leicht zu finden und die Ausschilderung super. Nach gerade einmal 10 Minuten erreichen wir schon den Einstieg zum Klettersteig. Auch hier empfehle ich euch unbedingt eine kurze Rast einzulegen, denn das Panorama ist mal wieder spektakulär. Wir haben mal wieder traumhaftes Wetter im Gepäck. 

Klettersteige in den Dolomiten: Katharina beim Einstieg Col Rodella

Purer Klettersteigspaß und manchmal ganz schön luftig

Nachdem wir unsere Ausrüstung angelegt haben, erwarten uns ungefähr 130 HM purer Klettersteigspaß. Dieser Klettersteig ist ganz und gar nicht so lang wie die anderen beiden, dafür geht’s hier schon eher in die Vertikale. Kurz und knackig – wären die Attribute, die ich am ehesten wählen würde er verlangt euch schon ein wenig mehr technisches Klettersteig-Know How ab. Nachdem es das erste Stück zwar steil, aber relativ einfach nach oben geht (B/C), wird es im mittleren Teil schon etwas kniffeliger – wie wir finden.

Nach einem kleinen Kamin und einiger senkrecht nach oben führender Eisentritte (B/C), beginnt der etwas schwierigere Mittelteil. Hier müssen wir einige trittlose und schräge Platten hinaufklettern und es wird teilweise ganz schön luftig (D). Kurz vor dem Ausstieg wird der Steig auch wieder deutlich einfacher und so erreichen wir nach ca. 45 Minuten glücklich und zufrieden den „Gipfel“. 

Klettersteige in den Dolomiten: Katharina auf dem Gipfel von Col Rodella
Angekommen am Gipfel und wieder Panorama, Panorama, Panorama!

Ausblicke bis auf die Schneefelder der Marmolada

Auch wenn wir klettertechnisch hier etwas mehr gefordert waren, die Strecke hat uns einen heiden Spaß gemacht und ist auch durchgehend sehr gut gesichert. So hat sich zum Glück auch keine Angst oder Unsicherheit bei mir breitgemacht. Aber auch hier gilt natürlich: wer von euch nicht trittfest und absolut schwindelfrei ist, sollte sich besser noch nicht an diesen Klettersteig wagen. Auch wenn er so angenehm kurz und überschaubar ist. … und so ein tolles Panorama bietet!

Definitiv empfehlen kann ich ihn aber all denjenigen unter euch, die sich einmal an einen etwas anspruchsvolleren Steig hinantasten wollen. Hierfür ist Col Rodella sicherlich perfekt. Denn die Länge ist überschaubar und schnell zu erreichen ist er auch. Also, nichts wie hin. Auch wenn das Gipfelpanorama durch die riesigen Sendemaste am Gipfel etwas getrübt wurde, es war ein tolles Erlebnis. Lust bekommen? Hier findet ihr die ausführliche Topo.

Klettersteige in den Dolomiten: Die Rotwand im südlichen Rosengarten

Die Rotwand stellt mit ihren 2.806 Metern Höhe die höchste Erhebung im südlichen Rosengarten dar. Besonders markant und imposant ist die steile, nahezu senkrecht abfallende Süd-West-Wand. Einige Male bin ich schon unterhalb von ihr entlang gewandert und war jedes Mal aufs Neue fasziniert von ihr. Und da es mir der Rosengarten sowieso angetan hat, war mir schon seit längerem klar, dass ich eines Tages auch einmal über die Rotwand gehen möchte.

Klettersteige in den Dolomiten: unterhalb des Rotwand Gipfels
Die markante Rotwand im südlichen Rosengarten

Ihr habt Lust bekommen und wollt wissen, wie ich meine erste richtige Wandstelle gemeistert habe? Dann findet ihr hier meinen ausführlichen Bericht. Die gesamte Überschreitung war auch einfach zu schön und hat dafür auch einen eigenen Artikel verdient, wie ich finde. Weitere Fotos natürlich inklusive 🙂

 

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Author: Katharina

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