Wanderung zu den Vajolet-Türmen

Gefühlt stand eine Wanderung zu den Vajolet-Türmen schon ewig auf meiner Liste. Nun ja, zumindest seit einigen Monaten oder besser gesagt Jahren. Zeit und Gelegenheit für die Erkundung dieser weltbekannten Dolomitengiganten war während meiner letzten Urlaube in Südtirol irgendwie immer zu knapp. Doch Anfang Juli sollte es endlich soweit sein. Es war ein traumhafter Tag, auch wenn ich von meiner Halbmarathon-Teilnahme am Vortag noch ziemlich kaputt war. Der lohnenswerte Ausblick auf die sechs Türme hat alles wieder wettgemacht. Aber von vorn …

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Katharina vor den Vajolet-Tuermen

Wanderug zu den Vajolet-Türmen: Dolomitengiganten und Klettereldorado

Eingebettet im riesigen Rosengartenmassiv liegen die Vajolet-Türme und ragen wie spitze Zacken gen Himmel. Ihr Motiv gehört neben Schlern und Drei Zinnen sicherlich zu den bekannstesten Dolomitenformationen. Aufgrund ihrer fast senkrechten Schroffheit sind sie ein wahres Klettereldorado und ziehen Sportkletterer bis über Südtirols Grenzen hinaus an. Zu ihren Füßen trohnt auf einer Höhe von 2.621m die Gartlhütte. Sie ist nur von Juni – September geöffnet und bietet in den Sommermonaten nicht nur den Kletterern einen willkommenen Unterschlupf, sondern auch Mehrtagestourengängern. Unser Ziel für diesen zum Glück sehr sonnigen Tag war also klar. Die Beine allerdings noch schwer von meiner Halbmarathon Teilnahme am Vortag, aber was tut man nicht alles für einen gigantischen Ausblick.

Wanderung zu den Vajolettürmen: Viele Wege führen zum Ziel

Will man zu den Vajolet-Türmen wandern, gibt es– wie sollte es anders sein –  gleich mehrere Möglichkeiten. Als Tour mit Klettersteiganteil kann man an der Kölner Hütte starten und über den Santner-Pass aufsteigen. Wer eine mehrtägige Hüttentour durch den Rosengarten plant, kann gleich aus unterschiedlichen Richtungen zu den Vajolet-Türmen aufsteigen. Wir wollen an diesem Tag durch das malerische Vajolet-Tal aufsteigen. Hierbei startet man im Fassatal. Genauergesagt in Vigo di Fassa mit der Seilbahn Cantinaccio oder in Pera di Fassa mit dem Sesseliften Vajolet I und II. Ausgangspunkt der Wanderung ist bei beiden Varianten das Hochplateau um Ciampedie auf ca. 2.000m). Wir entscheiden uns für die Sessellifte und lifteten also erstmal gemütlich zwei Sesselliftstationen in Richtung unseres heutigen Tageszieles.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Sessellift Vajolet

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: kleine Huette

Von der Bergstation des Vajolet II Lifts ging es für uns dann über wunderschöne Wald- und Wiesenwege in Richtung des ersten Etappenziels – der Rifugio Gardeccia. Und schon hier bekamen wir eine kleine Vorahnung, wie schön und atemberaubend unser heutiges Ziel werden würde. Denn schon auf diesen ersten Metern konnten wir immer wieder traumhafte Ausblicke auf den Rosengarten erhaschen. Nach circa 45 Minuten und den ersten Höhenmetern in den Beinen erreichten wir die Rifugio Gardeccia.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Refugio Gardeccia

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Rifugio Gardeccia von Weitem
Rifugio Gardeccia: ganz schön viel los hier

Etwas viel Trubel herrschte hier, denn neben Lift und Seilbahn gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Busshuttle aus dem Tal direkt hierhin zu fahren. Wie wir feststellten, wird diese Variante offensichtlich relativ häufig wahrgenommen.

Wanderung zu den Vajolet-Türmen: Durchs idyllische Vajolet-Tal

Um den Massen wieder zu entkommen, ging es für uns schnell weiter. Nun wartete das wunderschöne Vajolet-Tal auf uns. Konnten wir vorher nur erste Bergblicke erhaschen, schlängelt sich nun der Weg (546) wunderschön in Richtung Vajolet-Hütte nach oben. Links und rechts von uns ragen die ganze Zeit über die schönsten Gipfel auf und wir können uns kaum sattsehen. Zu schön ist es aber auch immer im Rosengarten.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: im Vajolet-Tag
Im Vajolet-Tal
Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Preusshuette von Weitem
Die Hütte ruft – Preusshütte.

Relativ schnell können wir die recht exponiert gelegene Preusshütte entdecken. Sie liegt unmittelbar neben der berühmten Vajolet-Hütte und gilt als deren weniger prominente Schwester. Ob prominent oder nicht, für uns hat sie den unschlagbaren Vorteil, dass sie nicht so überlaufen ist. Denn die letzten Serpentinen bis zum Plateau, auf dem die beiden Hütten liegen, haben doch auch so einige Höhenmeter. Und daher freuen wir uns nach 45 min Gehzeit endlich an den beiden Hütten angekommen zu sein. Spontan entscheiden wir uns für ein lauschiges und vor allem ruhiges Päuschen auf der Preusshütte.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Preusshuette aus der Naehe
… und gleich daneben die Preusshütte.

Wanderung zu den Vajolet-Türmen: Hinauf durch die felsige Scharte

Die absolut richtige Entscheidung, denn Pasta und Strudel sind köstlich. Gestärkt und ausgeruht liegt nun der Aufstieg durch die Scharte vor uns. Erst noch sehr komfortabel auf dem Weg 584 in Richtung Grasleitenpass geht es schon nach wenigen Meter links in die steile Scharte an deren Ende endlich unser heutiges Ziel lockt. Von unten sieht‘s abenteuerlicher aus als er tatsächlich ist. Trotzdem ist man mit festem Schuhwerk und Trittsicherheit hier gut bedient, denn der Untergrund ist deutlich gerölliger und felsiger als der angenehme und gesicherte Weg zuvor. Hier und da müssen wir auch nach der Wegmarkierung suchen. Die heiklen Stellen sind aber zum Glück mit Seilen gesichert und so schaffen wir den Aufstieg auch ganz angenehm in der veranschlagten Stunde.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Blick in die Scharte
Hier geht’s hinauf …

Auf den letzten Metern können wir schon die ersten Blicke auf die Türme erhaschen und erahnen, wie atemberaubend schön es oben sein muss. Begleitet werden wir an diesem Tag von zahlreichen Zurufen der Kletterer, die sich oben in den Türmen aufhalten. Hier und da kriege ich sie sogar direkt vor die Linse.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Gartlhuette beim Aufstieg
Fast oben und teilweise ganz schön unwegsam …
Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Aussicht auf Vajolet-Tuerme
Die Türme aber immer fest im Blick …

Wanderung zu den Vajolet-Türmen: Endlich oben angekommen und völlig beeindruckt

Oben an der Gartlhütte (2.621 m) angekommen bin ich völlig beeindruckt angesichts dieser schönen Szenerie. Zwar fehlt an diesem Juli-Tag der berühmte kleine See (im Sommer halt häufig ausgetrocknet). Doch schön ist’s auch so. Da sich in den letzten Stunden immer mehr Wolken vor die Sonne geschoben haben, bete ich insgeheim, dass sich die Wolken doch endlich verziehen sollen. Schließlich möchte ich einen freien und ungetrübten Blick auf die Türme genießen. Doch schnell stelle ich fest, dass auch der Wechsel zwischen Sonne und Wolken einen ganz besonderen Charme hat. Einmal umgedreht und die Kamera aus dem Rucksack gegriffen, sieht die Umgebung schon wieder ganz anders aus. Nachdem wir noch ein wenig weiter nach oben wandern, um einen besser Blick auf Hütte und Türme zu bekommen, reißt es endlich auf. Die Sonne hat sich also durchgesetzt und Petrus mein Flehen gehört.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Katharina vor der Gartlhuette

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Vajolet-Tuerme und Gartlhuette von Weitem

Wanderung zu den Vajolet-Türmen: Wir kommen wieder

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich unbedingt jedem empfehle hier ein kurzes Päuschen einzulegen. Denn viel näher kommt man den Vajolet-Türmen sonst nicht mehr, es sei denn man begibt sich in die Vertikale. Auch wir legen hier noch eine kurze Rast ein. Als dann schließlich auch alle Fotos gemacht sind, heißt es für uns wieder ab ins Tal.

Wanderung zu den Vajolet-Tuermen: Scharte
… und hier geht’s wieder hinunter.

Der gleiche Weg zurück auf dem wir auf dem Weg zurück deutlich langsamer vorankommen. Zuviel Menschtrauben haben sich hier gebildet und nicht alle sind diesem felsigen Gelände vertraut.

Die Sonne bleibt uns an diesem Nachmittag aber zum Glück treu und so genießen wir am Ende noch einen schönen Kaffee auf der Vajolet-Hütte (2.243 m), bevor wir dann noch die letzten Kilometer ins Tal in Angriff nehmen. Nach vier Stunden inklusive einiger Pausen sitzen wir wieder glücklich und zufrieden im Lift. Den Haken auf meiner List kann ich nun endlich setzen. Bleiben wird aber die Erinnerung an dieses traumhafte Dolomitenpanorama.

Mehr Südtirol-Atmosphäre könnt ihr übrigens hier schnuppern!

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Author: Katharina

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