Komfortzone erweitern: Vom Wohl- und Unwohlfühlen

von Katharina

Früher bin ich liebend gern in Flugzeuge gestiegen. Es konnte nicht hoch oder weit weg genug gehen. Heute beschleicht mich jedesmal ein mulmiges Gefühl beim Besteigen eines Fliegers. Warum das so ist, kann ich nicht genau sagen. Das Warum ist an dieser Stelle aber auch gar nicht so wichtig. Wenn das Fliegen , wie in dem folgenden Beispiel in einem Kleinflugzeug, dann auch noch unmittelbarer übergeht in ein Springen aus ca. 4.000 Meter Höhe, dann ist das so eine Sache. Da kann einem beim Gedanken daran, schon mal ein klein wenig unwohl werden. Warum es uns aber auch ganz gut tun kann, von Zeit und Zeit die eigene Komfortzone  zu erweitern, erfährst du im folgenden Artikel.

Komfortzone erweitern beim Fallschirmspringen

Ich im freien Fall

Da saß ich also in 4.000 Metern Höhe in einem offenen Flugzeug, in einem Anzug, den ich zuvor noch nie getragen hatte und über ein kompliziertes Gurtsystem verbunden mit einem Mann, den ich vor ca. einer Stunde das erste Mal im Leben gesehen habe. Von den Menschen meines Herzens trennten mich in diesem Augenblick leider jene 4.000 Meter, da sie mit festem Boden unter den Füßen meinem Sprung entgegenfieberten. Ein Tandemsprung bei bestem hochsommerlichem Wetter sollte es also werden. Verschweigen möchte ich an dieser Stelle auch nicht, dass ich mich kurz vor dem nahenden Absprung doch ziemlich am Flugzeugfenster festgekrallt habe.

War ich etwa doch nicht bereit? Gab es doch zuviele Ängste oder Zweifel, die mich umtrieben? Kurz danach bin ich gesprungen oder besser gesagt gesprungen worden, denn natürlich hat mein Guide für den gewissen Anstupser gesorgt. Was danach im sogenannten freien Fall geschah, war unglaublich. Rasend schnell, vollgepumpt mit Adrenalin und Glücksgefühlen und konzentriert auf die richtige Körperhaltung steuerten wir wieder auf die Erde zu. Das ganze dauerte ca. eine Minute, denn kurze Zeit später öffnete sich schon der Fallschirm, der uns mit einem kurzen aber dennoch sanften Ruck abbremste. 

Und du? Gibt es auch etwas, was du schon immer tun wolltest Die konkrete Umsetzung aber so ein bißchen vor dir herschiebst? Schlagzeug lernen oder allein durch Südamerika reisen vielleicht?

Doch warum scheitern so viele unserer Vorsätze oder warum fällt es uns so schwer eine einmal getroffene Entscheidung wirklich in die Tat umzusetzen? Häufig wissen wir auch, dass es uns durch eine Veränderung sehr viel besser gehen würde. Der ungeliebte Job? Da gibt es doch noch etwas besseres…. Die Speckröllchen am Bauch? Sport und Bewegung könnte ganz einfach helfen….

Gemütlich, aber öde. Wollen wir das?

Da wo wir uns wohlfühlen, was wir kennen und wo wir uns eingerichtet haben, ist unsere Wohlfühlzone oder auch Komfortzone. Der Bereich, in dem ich mich wohl fühle und den ich in und auswendig kenne und gewohnt bin. Er endet dort, wo ich mit Neuem / Unbekanntem konfrontiert werde und es unbequem werden könnte. Die neuen Dinge, die wir anstreben, liegen außerhalb unserer Komfortzone sonst würden sie nicht einen solchen Reiz auf uns ausüben. Gleichzeitig zu diesem Reiz gesellt sich aber auch die Angst vor dem Neuen, vor dem Unbekannten oder gar vor dem Scheitern. In uns macht sich Angst, wenigstens aber Respekt breit und daher zögern wir die Dinge auch so häufig hinaus oder schieben sie auf. Natürlich definiert jeder von uns seine Komfortzone ganz individuell. 

Kurz-vor-dem-Absprung beim erweitern der Komfortzone

Die natürliche Blockade vor Veränderungen

Allen gemeinsam sind aber die Prozesse in unserem Gehirn, die beim Verlassen der Komfortzone ausgelöst werden. Das sogenannte limbische System ist der Teil unseres Gehirns, der für die Verarbeitung und Steuerung unserer Emotionen und Triebe zuständig ist. Während unsere rationalen Gedanken und unsere Intelligenz bei uns Menschen über Hirnareale gesteuert werden, die menschheitsgeschichtlich noch nicht so lange entwickelt sind, sorgt das limbische System bereits seit unseren Ursprüngen für unser Überleben und will uns vor Gefahren beschützen. Stark vereinfacht werden Veränderungen oder neue unbekannte Situationen durch das limbische System vermieden, es könnte ja eine Gefahr auf uns lauern.

An dieser Stelle dürfte uns auch klar werden, warum Jahr für Jahr so viele unserer Vorsätze mit dem Beginn eines bestimmten Monats immer wieder aufs neue scheitern. Wäre nur unser Intellekt für das Umsetzen eines Vorhabens zuständig, wäre das mit dem Rauchen-Aufhören, mit dem Mehr-Sport-Treiben und mit der gesunden Ernährung überhaupt kein Problem. Einen Strich durch die Rechnung macht uns ganz einfach und mit einer beständigen Regelmäßigkeit unser limbisches System.

Warum etwas ändern oder etwas Neues wagen, wenn das Alte doch schon so lange funktioniert? Ob durch eine Veränderung in Zukunft etwas gut oder sogar besser werden könnte, ob wir unseren Erfahrungsschatz positiv erweiterte könnten, ist für das limbische System völlig uninteressant, denn erstmal sieht es sich ausschließlich mit der reinen Gefahr konfrontiert und würde dabei doch viel lieber nur die Kontinuität anstreben.

Absprung beim erweitern der Komfortzone

Außerhalb unserer Komfortzone, heißt für unser Gehirn somit auch automatisch Alarmbereitschaft. Adrenalinspiegel, Puls und Blutdruck schnellen in die Höhe. Auch diese Reaktion ist evolutionär bedingt und ganz unabhängig davon ob, wir 

  1. wie in der Steinzeit auf die Jagd gehen und uns vor wilden Tieren in acht nehmen müssen
  2. absprungbereit in einem offenen Flugzeugbauch sitzen
  3. unseren sicheren, aber eher öden Job kündigen wollen 
  4. oder eine Präsentation vor einer Handvolll Kollegen halten sollen 

Sie sieht dann meist so aus:

„Achtung! Halt! Stopp! Hier könnte jetzt eine Gefahr auf mich lauern….“

„Where the magic happens.“ – Reicht das?

Theoretisch und ganz einfach gedacht könnten wir es ja jetzt auch alles einfach beim Alten belassen, oder? Alles ganz easy, denn haben wir es uns in unserer schönen, heimeligen, zugegebenermaßen manchmal auch langweiligen Wohlfühlzone nicht gerade so richtig schön gemütlich gemacht? Wieso davon jetzt wieder abrücken? Nun ja, es kann durchaus Sinn machen, die eigene Komfortzone zumindest von Zeit zu Zeit zu verlassen. Denn nur so können wir in unserer persönlichen Entwicklung weiterkommen, können wachsen und unseren Horizont erweitern.

Wir bekommen neue Impulse für unser Leben und können aktiv dem Alltagstrott und der Langeweile entgegenwirken. Indem wir uns unseren Ängsten stellen und diese überwinden, steigt unser Selbstbewusstsein und unsere innere Stärke. Und das tolle daran ist: Unser limbisches System ist mit der Zeit sogar lernfähig. Wenn es also nach und nach merkt, dass das Neue doch gar nicht so schlecht für uns ist, dass nicht sofort Gefahr, Panik oder noch viel Schlimmeres auf uns wartet, dass es sogar Spaß machen kann, wir uns weiterentwickeln und es mitunter Spannendes für uns bereit hält, dann wird es auch seine Filtermechanismen anpassen und wir gehen mit der Zeit viel mutiger und selbstbewußter durch die Welt. Nicht einfach hinaustreten aus der Komfortzone und das berühmte Magische erleben, ist also das Ziel, sondern vergrößern.

Komfortzone erweitern beim Fallschirmspringen

Nie hätte ich dieses einzigartige Gefühl des freien Falls kennen- und liebengelernt, hätte ich mich meiner Angst hingegeben und wäre folglich nicht gesprungen. Wie viele und intensive Empfindungen wären mir verborgen geblieben, die ich während des Sprungs kennenlernen durfte. Und ich würde es wieder tun. Ich habe mich meiner Angst, meinen Zweifeln und Befürchtungen gestellt, bin geflogen und daran gewachsen. Die Latte für den nächsten Sprung liegt bei mir nun also nicht mehr ganz so hoch. 

Und was ist, wenn es schief geht? 

Natürlich ist es legitim auch daran zu denken und über das Worst-Case -Szenario nachzudenkenden. Und natürlich wäre bei meinem Fallschirmsprung der Worst-Case fatal. Doch ähnlich wie bei einem Flugzeugabsturz tritt dieser Fall nur mit einer verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit ein. Würden wir uns dieser Angst hingeben, dürften wir nie wieder ein Flugzeug betreten. Und auch hier gilt: die Konsequenz dessen, was passieren kann ist individuell und das Verlassen der Wohlfühlzone sollte nicht verwechselt werden mit einem Leichtsinnnigen, riskanten oder gar fahrlässigen Verhalten. Hierbei würde nicht Wachstum sondern Panik entstehen

Und auch ich muss mich häufig daran Erinnern, mich doch viel öfter neuen Herausforderungen zu stellen. Sie aktiv annehmen und in mein Leben lassen. Im Job, im Privaten, im Sport, auf der Skipiste. Manchmal klein, manchmal groß; manchmal einfach und manchmal umso schwerer. Falsch ist es ganz sicher nicht, in der Komfortzone zu verweilen, aber auch dahinter könnte es gut werden. Und mal ganz ehrlich, wer von uns hat sie nicht, die eigene Bucketlist, die To-Do-List unseres Lebens. Meinen Fallschirmsprung kann ich ab jetzt zumindest auf die Haben-Seite setzen.

gluecklich nach dem erweitern der Komfortzone

 

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