Waldbaden: Warum wir öfter mal abtauchen sollten

Wie gut ein Tag im Wald uns tut, wissen wir doch alle irgendwie intuitiv. Erst recht, wenn wir mit allen Sinnen eintauchen in das erholsame Grün und die Heilkräfte der Natur voll auf uns wirken lassen. In Japan gibt es seit den 80er Jahren hierfür sogar einen eigenen wissenschaftlichen Begriff, das Waldbaden. Klingt toll, doch wie wir von dem bisschen „Abtauchen“ körperlich und seelisch profitieren können, dazu findet ihr hier ein paar Zeilen und Gedanken.  

Waldboden beim Waldbaden

Waldbaden: Einfach mal Durchatmen 

Tief einatmen, die frische grüne Luft einsaugen. Die Stadt, der Lärm und der Büroalltag bleiben draußen. Wir tauchen ein in den kühlenden Schatten der Bäume. Unsere Füße wandern abwechselnd zwischen weichem, schwingenden Moosboden, Wurzeln und Laubuntergrund. Nach und nach schärfen sich alle Sinne. Wann haben wir eigentlich das letzte Mal all das ganz bewusst gespürt? Uns dieser einzigartigen Atmosphäre mit all unseren Empfindungen hingegeben? Ihr wisst es nicht mehr genau?

Dann solltet ihr das schleunigst nachholen. Denn egal, ob bei Regen oder Sonnenschein, ob im Frühling oder Herbst, einfach mal eine kleine Auszeit zwischen Bäumen und Laub zu nehmen, fühlt sich doch immer gut und richtig an. Und instinktiv spürten wir schon immer, wie gut uns diese kleine grüne Atempause tut. Schließlich sind wir seit jeher tief mit dem Lebensraum Wald verwurzelt. Anfangs diente er uns als Schutz- und Rückzugsort oder sogar als Nahrungsquelle. Für den stressgeplagten Menschen von heute stellt er dagegen eher einen Hobby- und Ruheort dar. Rad fahren, laufen, wandern oder einfach nur im Gras liegen.  Das hat heutzutage mitten im Wald und in der ursprünglichen Natur für viele von uns (mich eingeschlossen) einen viel stärkeren Erholungswert.

Waldboden beim Waldbaden aus der Naehe

Waldbaden: Der Wald als Therapieraum

Eine besondere Form zur Regeneration, die hierzulande noch relativ unbekannt ist, ist das sogenannte „Waldbaden“. In Japan gibt es dieses Phänomen, für das es sogar einen eigenen wissenschaftlichen Begriff, das Shinrin Yoku, gibt, bereits seit den 80er Jahren. Auch wenn die korrekte und eher theoretische Übersetzung „Baden in der Waldluft“ lautet; bei der praktischen Ausübung geht es doch vielmehr um das Eintauchen in die Unberührtheit, Stille und Ursprünglichkeit des Waldes. Von diesem „Bad“ profitieren Körper und Seele, was inzwischen mehrere Studien belegen konnten. Der Aufenthalt im Wald wirkt wie eine Art Aromatherapie und fördert so unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Längst ist das Waldbaden in Japan mehr als der bloße Bestandteil eines guten Lebensstils. Es ist Teil des japanischen Gesundheitswesens und gehört als anerkannte Therapie-Methode zur aktiven Stress-Prophylaxe

Waldbaden: Körper und Seele profitieren

Sich der frischen Waldluft mit allen Sinnen voll hingeben, soll nicht nur enorm positiv auf die Sauerstoffversorgung unserer Zellen und die Verbesserung unseres Immunsystems wirken. Es senkt auch das Level unserer Stresshormone, unseres Pulses und Blutdrucks.  Und lindert auf diese Weise die Symptome funktioneller Krankheiten (z.B. des Herz-Kreislauf-Systems). Auch ein verbesserter Schlaf, ein allgemein höheres Energielevel und eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit sind weitere Vorteile. 

Zweige und Aeste beim Waldbaden

Sogar Krebs kann mit Hilfe dieser natürlichen Methode vorgebeugt und bekämpft werden. Denn unsere Bäume, Pflanzen und Gräser, sondern sogenannte Phytonzide ab. Diese werden als chemische Botenstoffe vom Menschen eingeatmet und können auf natürliche Art und Weise die Bildung von Killerzellen fördern. Hierdurch können Krebszellen nicht nur aufgespürt, sondern sogar bekämpft werden. Außerdem wird die Entstehung verschiedener Anti-Krebs-Proteine gefördert. Alles nachzulesen in einer beeindruckenden Studie rund um Dr. Qing Li, Assistenzprofessor am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit im Zentrum für Medizin Nippon. Gemeinsam mit der japanischen Behörde für Forstwirtschaft und dem Forschungsinstitut für Wald und Waldprodukte wurden hier bereits 2004 die physiologischen Effekte des Waldbadens näher erforscht. Das Gute daran ist, dass wir bereits von kurzen Auszeiten im nächstgelegenen Wald profitieren können. 

Waldbaden: Das Plus an ätherischen Ölen und Botenstoffen

Und natürlich gibt es nicht nur die Phytonzide. Den Wald betreten, die Augen schließen und dafür die reichhaltigen Geräusche und Aromen der Natur aufnehmen. Das sind die simplen, frei verfügbaren und für jedermann ganz leicht zu findenden Schätze von Mutter Natur. Diese regelmäßig in unser Leben zu integrieren, würde uns also schon eine ganze Menge bringen.

Blick durch die Blaetter beim Waldbaden

Die Ruhe, die Farben und die Luft sind es, die dazu führen, dass wir automatisch einen Gang runterschalten und entschleunigen können. Nicht umsonst gibt es diesen einzigartigen Duft des Waldes und die ätherischen Öle, Botenstoffe und Mikrobakterien wirken nicht nur auf unseren Körper, sondern tun auch ganz viel für unsere Psyche. Wir kommen ganz von alleine zur Ruhe. Ängste, Depressionen und Wutzustände werden gelindert. Dafür steigt unsere Widerstandsfähigkeit und wir werden sehr viel agiler, fitter und vitaler.

Auch eine gestärkte Achtsamkeit, Resilienz und Intuition sind nicht selten die Folge von regelmäßigen Ausflügen in den nächstgelegenen Forst. Mitunter reicht sogar der bloße Anblick eines Waldes, um stressbedingte Linderung herbeizuführen. Auch wenn sich die Forscher hier noch nicht einig sind, woran dies liegen könnte, es wird vermutlich an dem einzigartigen Licht- und Schattenspiel zwischen Sonne, Blättern und Bäumen liegen, so Yoshifumi Miyazaki, Direktor des Zentrums für Umwelt, Gesundheit und Agrarwissenschaft an der Universität Chiba.  

Moos und Farn beim Waldbaden

Waldbaden: Kostenlose und frei verfügbare Waldmedizin

Also ab in unsere natürliche Umgebung und wie von Zauberhand geht’s uns wieder gut? Werden unsere Alltagsleiden wie von selber verschwinden? Ja, fast, wenn wir dabei ein paar Dinge beachten, kann das Gute wie so häufig wirklich ganz nah liegen. Das wichtigste dabei wäre sicherlich ein zentraler Punkt: Handy aus. Sinne an. Tief einatmen, die Farben in allen wunderbaren Facetten auf sich wirken lassen, den Geruch einsaugen. Und dabei brauchen wir uns nicht einmal außerordentlich anzustrengen, körperlich verausgaben oder besonders fit sein. Bereits ein gemütlicher Spaziergang reicht aus, um von den unbestreitbaren Vorteilen des Waldbadens zu profitieren. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich auch die Tatsache, dass uns ein Ausflug in den Wald nichts kostet und wir ihn meist in unmittelbarer Umgebung vorfinden.

Wir wissen nun also, warum ein Tag im Wald uns so guttut. Tief in uns gab es diese Ahnung sicherlich schon länger. Nur dachten wir bisher vermutlich eher, es könnte am Flow liegen, dem ich mich hingeben kann, sobald ich in den Wald eintauche. Oder an der reinen und frischen Luft, die wir förmlich einsaugen? Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Wald hält so viel mehr Wohltuendes und Gesundes für uns bereit. Das hat die Wissenschaft nun auch untermauert. Es sind vor allem die körperlichen Reaktionen, die in uns ausgelöst werden, und somit können wir dem Walderleben sogar auch eine medizinisch-therapeutische Wirkung zu schreiben.

Blick in die Baeume beim Waldbaden

Und zu guter Letzt? Neben all den schnöden Studien, den Fakten und der Wissenschaft ist da auch diese Sehnsucht nach dem wilden, ursprünglichen und romantischen, die den Wert des Waldes für uns Stadt- und Büromenschen ins Unermessliche steigern lässt… und das auch ganz ohne medizinische Rechtfertigung. Egal ob Jung oder Alt, ob warm oder kalt, ob Regen oder Sonne, ob meditativ oder aktiv, ein Ausflug in den Wald kostet nichts und tut doch so viel für uns. Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

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Author: Katharina

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  • Was für rein schöner Artikel! Ich liebe es sehr, im Wald zu sein – dort kann man so richtig schön abschalten. Gerade jetzt, wenn der Herbst kommt, raschelt und rauscht es dort wieder so schön. Aber im Sommer finde ich es dort auch einfach herrlich, angenehm kühl und so ruhig. Wobei – im Herbst und Winter bin ich auch gerne im Wald! 😀 Wenn alles weiß oder strahlend grün ist.
    Viele Grüße
    Marieke

    • Danke dir für deine Worte, liebe Marieke! In diesem heißen Sommer war der Wald für mich auch einmal mehr Zufluchtsort. Und der Herbst ist für mich auch immer etwas ganz besonderes – gerade im Wald. Es hat dann immer etwas von „zur Ruhe kommen“, wenn auch das kalendarische Jahr sich dem Ende neigt. Und nicht zu vergessen diese wunderbaren Herbstfarben 🙂 Ich freu mich drauf!
      LG Katharina